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Zusammenfassung

Die Last des letzten Wurfes – In einem packenden Verbandsliga-Derby siegt der Güsener HC mit 33:32 (19:19) gegen Biederitz

Sein Trainer nennt ihn schon mal liebevoll „Zauberlehrling“. Ein bisschen was ist da sicher dran, denn Bennet Daßler, der vor der Saison den Weg zurück zu seinem Heimatclub nach Biederitz fand, hat in der Vorbereitung nicht grundlos die meisten Blicke auf sich gezogen. Der 17-Jährige fährt inzwischen zweigleisig für die A-Jugend und die Verbandsliga-Männer des SV Eiche 05 und war bei Letzteren der Lichtblick im Saisonauftakt gegen Klein Oschersleben (22:30). Die Jahre in der Talentschmiede des SC Magdeburg haben ihn als Handballer reifen lassen und seinen Körper gestählt. Weil die Schultern dann aber doch noch nicht ganz so breit gewachsen sind, mag es halbwegs vermessen wirken, auf ihnen die Last des letzten Wurfs abzulegen.

Als am Sonnabend im Duell beim Güsener HC noch vier Sekunden zu spielen waren und sich nach einem Freiwurf die Halbchance auf den 33:33-Ausgleich bot, hatte auch Eiche-Coach Peter Pysall einen anderen Zielspieler im Sinn: „Eigentlich sollte Sören Große den Ball bekommen.“ Das Spielgerät landete aber in den Händen des Youngsters und der Wurf unter Bedrängnis oberhalb des Gastgebergehäuses. Doch zum einen „hat Bennet bereits bewiesen, dass er solch schwierige Würfe nehmen kann“. Zum anderen dürfte die letzte Szene nicht die entscheidende gewesen sein, wenn man wie Pysall die gesamten 60 Minuten in Betracht zog: „Ob Siebenmeter oder einfache Würfe vom Kreis – dass einer oder zwei davon daneben gehen, kommt vor. Aber es dürfen nicht fünf von sieben Großchancen liegen bleiben, wenn wir etwas holen wollen.

Dass am Ende nun also der GHC unter „Derbysieger“-Rufen durch die eigene Halle hüpfte, bedauerte Eric Steinbrecher keineswegs. Doch der GHC-Trainer nahm den zweiten Sieg im zweiten Spiel mit Demut auf: „Geht diese Partie unentschieden aus, dürfen wir uns nicht beschweren. Von der ersten bis zur 60. Minute sind sich zwei Teams auf Augenhöhe begegnet. Biederitz hat gefightet, wir hatten das glücklichere Ende für uns.“ Tatsächlich konnte sich keine von beiden Mannschaften im gesamten Spielverlauf auf mehr als zwei Treffer absetzen. Allein in der ersten Hälfte wechselte die Führung sechsmal hin und her, wobei sich die Derbykontrahenten einen munteren „Shootout“ lieferten. Während sich der SV Eiche 05 von der 6-0- über die 5-1- bis zur 4-2-Deckung durch sämtliche Systeme verteidigte, gegen den wurfgewaltigen Güsener Rückraum aber anfällig blieb, tappte der GHC defensiv in die ausgelegte Falle des Gegners: „Wir haben schnell gemerkt, was Biederitz vorhatte: uns mit langsamem Spiel herauslocken, Zeitstrafen provozieren. Und es hat leider funktioniert. Aber Fabian Wagner hat uns mit wichtigen Paraden im Spiel gehalten und vorn haben wir gespielt, was wir können, wobei nur wenige Varianten möglich waren. Viel lief über die Eins-gegen-Eins-Duelle.“

Und nachdem Julian Schmälzlein anderthalb Minuten vor der Schlusssirene trotz Manndeckung die Lücke fand und das 33:31 erzielte, wäre an jedem anderen Tag wohl die Entscheidung gefallen. Doch die Biederitzer hatten bereits kurz nach Wiederbeginn, als Große zum eigenen 22:20 getroffen hatte (36.), unter Beweis gestellt, dass sie die zweiwöchige Pause zur intensiven Fehlerkorrektur genutzt haben. „Vieles, vor allem defensiv, können wir uns im Training nicht erarbeiten, weil eigentlich immer jemand fehlt. Dennoch war das war eine 100-prozentige Steigerung im Vergleich zum Auftaktspiel. Wenn wir immer diese Leistung in Verbindung mit stabileren Torhütern und vor allem einer besseren Trefferquote abrufen, ist mir überhaupt nicht bange“, so der Biederitzer Coach. Und womöglich hängt dann in den Schlusssekunden auch nicht alles von dem einen letzten Wurf ab. Egal, wer ihn sich nimmt.

Güsen: Wegener, T. Prause – Fritz (1), Schulz (4/1), Mache (1), Beck (1), Teßmann (8), Lepper (2/1), C. Haßbargen (2), Faber (4), Ladwig (5), Keil, Neumeister, Schmälzlein (5)
Biederitz: Tschirschwitz, Meyer, Gronemeier – Holzgräbe (4), Köster (1), Walde (3), Wentzel (5/1), Herrmann (1), Freistedt (2), Große (9/1), Daßler (7/1), Exner
Siebenmeter: GHC 3/2 – Eiche 7/3; Zeitstrafen: GHC 6 – Eiche 2

Güsen 17 Uhr: Derby GHC – SV Eiche 05
Es mag daran liegen, dass sich Peter Pysall mittlerweile eine halbe Ewigkeit im Handballgeschäft bewegt. Da wirken zwei Wochen wie ein Wimpernschlag. Erst recht, wenn die Mängelliste wie im Fall der Verbandsliga-Handballer aus Biederitz zum Saisonauftakt lang war und ihr Trainer entsprechend wenig Zeit hat, sie einzukürzen. „Wir haben im Training das Rundum-Programm gefahren. In Oschersleben hatten wir keine Bindung zueinander und zum Spiel, sind aufgetreten wie Einzelkämpfer, die den Kontakt zum Gegenspieler gescheut haben“, spielt der Coach auf die 22:30-Pleite im Saisondebüt an. Keine Frage: Das Geschilderte soll sich heute ins Gegenteil verkehren. Doch der Güsener HC als Gastgeber dürfte etwas dagegen haben, wenn um 17 Uhr das erste Derby der noch jungen Saison ruft.
Zwar hat der GHC seinen Auftakt mit dem 31:26 über Westeregeln deutlich erfolgreicher bestritten, doch auch Eric Steinbrecher war noch nicht rundherum glücklich. „Auf uns warten längerfristige Aufgaben. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen, wie wir sie lösen“, formuliert Güsens Übungsleiter. Er und das Team stehen dann auch heute vor einer keineswegs alltäglichen Herausforderung: „Vor einem Derby ist die Anspannung natürlich noch einmal größer. Wir kennen die Biederitzer gut und sie uns andersherum genauso. Das bedeutet, dass wir von Anfang an 100 Prozent bringen müssen, die Aufgabe keinesfalls unterschätzen dürfen und mit schnellem Ball unser Spiel aufziehen wollen.“
Obwohl auf der Gegenseite der Saison-Einstand misslang, gilt es laut Pysall für den SV Eiche 05, an die wenigen Lichtblicke anzuknüpfen: „Die Phasen, in denen wir uns herangekämpft haben, geben uns Mut. Diese Perspektive sollten wir mitnehmen und daneben zu mehr Kompaktheit finden. Außerdem bin ich zuversichtlich, dass wir auch unsere Torhüter wieder in Form bringen konnten.“ Während bei den Gästen die Ausfälle von Daniel Bahr (Knieprobleme) und Christian Kinast (Erkrankung) Lücken auf den Außenpositionen reißen, ist beim GHC neben den verletzten Christian und Kevin Haßbargen zudem Rico Gerlach verhindert und Steffen Bretschneider fraglich.

Austragungsort

Elbe-Havel-Sporthalle Güsen
Straße der DSF 8, 39317 Elbe-Parey, Deutschland

Ergebnisse

Mannschaft1. Halbzeit2. HalbzeitTore gesamtSpielausgang
Güsener HC191433Unentschieden
SV Eiche 05181432Unentschieden